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Ich habe diesen Film mehrmals gesehen und bin dankbar um diese wie immer hervorragende Analyse:

Wenn Sie den Film „Matrix“ noch nicht gesehen haben, seien Sie gewarnt, hier wird gleich gespoilert.

„Matrix“ wird aus irgendwelchen Gründen unter Science Fiction einsortiert. Bei Science Fiction geht es darum, ein Zukunftsbild zu malen, das sich auf wissenschaftliche Erkenntnis und Prognose gründet. Dabei darf phantasiert und geträumt werden. Aber das „Science“ steht nicht umsonst im Namen des Genre – zumindest das Bemühen, die Zukunft wissenschaftlich erklärbar zu machen, sollte vorhanden sein.

Bei „Matrix“ gibt es dieses Bemühen nicht mal im Ansatz. Nur weil die Handlung in der Zukunft spielt, ist das noch lange keine Science Fiction. „Matrix“ ist eine lupenreine Legende und als Legende ist der Film interessant und aussagekräftig.

Legenden sind so toll, weil sie Gegebenheiten unserer realen Welt in Metaphern verpacken. Metaphern sollte man nicht wörtlich nehmen, denn Metaphern zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie im übertragenen Sinn zu verstehen sind. Das Wörtliche einer Metapher ist nur ein Bild für das, was eigentlich gemeint ist. Wenn jemandem das Herz gebrochen wird, ist das eine Metapher, die jedem einleuchtet, der den Ausdruck nicht wörtlich nimmt, sondern den übertragenen Sinn erkennt. Metaphern sind besonders geeignet, um etwas nicht nur abstrakt darzustellen, sondern es dem Gefühl und der Intuition zugänglich zu machen. Metaphern lassen uns die Dinge besser verstehen.

Und obwohl wir alle mit Metaphern vertraut sind, werden wir durch unsere abstrakt-logische Bildung und Erziehung derart verblödet und verblendet, dass wir es schaffen, Metaphern zu verkennen, sie wörtlich zu nehmen und uns immer wieder über die Blödheit von dieser und jener wörtlich genommener Metapher zu erheitern. Womit wir allenfalls die eigene Blödheit unter Beweis stellen. Prominentestes Beispiel ist die Bibel, die eine riesige Ansammlung von Metaphern darstellt. Wir sind meisterhaft darin, die Bibel-Metaphern wörtlich zu nehmen und uns damit der Weisheit zu verschließen, die in ihnen steckt.

„Matrix“ ist eine Metapher für unsere Welt. Für die heutige Welt. Für uns im hier und jetzt. Die Matrix ist das westliche Weltbild.

– Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst. Oder in die Kirche. Und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgauckelt, um dich von der Wahrheit abzulenken.

– Welche Wahrheit?

– Dass du ein Sklave bist, Neo. Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen, noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.

Dialog von Morpheus und Neo. Neo ist der Auserwählte, Morpheus sein Entdecker und Förderer. Die Matrix als Weltbild. Das Weltbild ist überall, denn es ist in unseren Köpfen. Wo immer wir sind, das Weltbild begleitet uns. Wir sehen die Welt durch unser Weltbild. Unser Weltbild ist eine vorgegauckelte Illusion, um uns von der Wahrheit abzulenken. Und als Gegenmittel hat Morpheus nur eines im Angebot: Wahrheit.

Spüren Sie es? Der Film ist über uns. Über die Zombies in der Matrix.

Neo nimmt die Wahrheit. Er wird der Matrix entrissen, er blickt über die Grenzen seines illusorischen Weltbildes. Er sieht die Wahrheit und… das tut weh. Neo sieht Menschen, die keine Menschen sind, sondern nur Humanressourcen. Die Humanressourcen werden gemolken und ihre Vorstellung von ihrem tollen Leben ist… nur eine Illusion, die ihnen von ihren Beherrschern eingeimpft wird.

Nachdem Neo hinter die Kulissen geblickt hat, stößt ihn das System ab. Als Kenner der Wahrheit ist er nicht willkommen, er wird von den lebenserhaltenden Maßnahmen abgeklemmt und entsorgt. Neo erlebt seine Wiedergeburt auf dem Raumschiff. Sein entsorgter Körper wird dort aufgenommen und aufgepäppelt.

Tod und Wiedergeburt ist eine universelle Metapher, die weltweit in den verschiedensten Kulturen verbreitet war und ist, von den einfachsten Wildbeutergesellschaften bis zu unserer technisierten Zivilisation. In der christlichen Religion steht diese Metapher im Zentrum. Diese Metapher ist universell, weil sie für alle Menschen von größter Bedeutung ist, unabhängig von historischer Zeit und dem Ort. Das eigene Weltbild zu verlieren kommt gefühlt einem Tod gleich. Deswegen neigt der Mensch dazu, selbst das nutzloseste und schlimmstmögliche Weltbild in seinem Kopf zu verteidigen, so als ginge es wirklich um Leben und Tod. Darum geht es auch. Es geht um geistigen Tod. Und um die geistige Wiederauferstehung. Das ist die Lehrstunde, die uns Jesus Christus erteilt: Habe keine Angst zu sterben, die Wiedergeburt ist möglich. Nicht die körperliche, wir dürfen die Metapher nicht wörtlich nehmen. Die geistige Wiedergeburt ist möglich, das teilt uns die Metapher mit.

Neo erlebt den geistigen Tod und die geistige Wiederauferstehung. Körperlich ist er der gleiche, körperlich ist er nicht gestorben. Aber er ist gestorben. Sein Weltbild ist zerbrochen und das kommt dem geistigen Tod gleich. Das ist ein reinigender Prozess, aber damit man sich darauf einlässt, muss man die Hoffnung und die Gewissheit haben, dass der Tod nicht das Ende sein wird. Man muss glauben, dass es danach mit einem neuen Leben weitergeht.

Diese Hoffnung zu vermitteln ist übrigens eine der zentralen Aufgaben der Bibel und des Christentums. Die Metaphern stehen bereit, aber wer sie wörtlich nimmt, verbaut sich die Hoffnung und Zuversicht, die sie zu spenden vermögen.

Neos Wiedergeburt ist ein grausamer, schmerzhafter Prozess. Das alte Weltbild stirbt dabei. Das eigene Ich stirbt dabei. Neo wird als neuer Mensch jenseits der Matrix wiedergeboren. Er wird bei diesem Prozess begleitet, von der Entscheidung bis zur Vollendung. Auch das ist ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Schon bei den „Wilden“ wurde das Ritual der Wiedergeburt stets von der Gemeinde begleitet. Den (metaphorischen!) Sprung über den Abgrund traut man sich eher zu, wenn man vertraute Menschen um sich hat, die deutlich machen, dass sie einem dabei helfen werden, aus dem Abgrund zurück zu kehren.

– Warum tun meine Augen so weh?

– Weil du sie noch nie benutzt hast.

Athrophierte Muskeln, unbenutzte Augen – ein Zombie. Neo war ein Zombie und er muss erst lernen, seinen Körper und seine Sinne zu gebrauchen. Dann wird ihm erneut die Matrix gezeigt. Jetzt blickt er von außen auf sein ehemaliges Weltbild, jetzt kann er es reflektieren.

Das hier ist das Konstrukt. Unser Ladeprogramm.

Laderaum. Alles wird geladen. Ins Gehirn. Bildungssystem und Medien laden uns die Pogramme ins Gehirn.

Und die Gegenmaßnahme besteht auch darin, etwas ins Gehirn zu laden. Nämlich die Wahrheit. Morpheus zeigt Neo die Traumwelt und die reale Welt. Die Illusion einer moralisch überlegenen Demokratie im Kontrast zu völlig moralbefreiter Ausbeutung, Vernichtung und Tod. Im Film wird das klar kontrastiert. Eine blühende westliche Metropole und die dahinsiechenden Ruinen dieser Metropole.

Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit.

Maschinen gegen Menschheit. Die Maschinen sind die Metapher für das supranationale Oligarchat. Oligarchat und einfache Bevölkerung kämpfen gegeneinander, das Oligarchat gewinnt, die Menschen werden zu Humanressourcen degradiert und gemolken. Die einfachen Menschen als Batterien.

Das erzählt der Film, man muss nur die Metaphern lesen.

Neo kann es nicht fassen, kann das denn sein? Das Weltbild zerbricht, Wahrheit tut weh. Tod und Wiedergeburt sind schmerzhaft.

Warum gibt es überhaupt den Widerstand, wenn doch die Menschen verloren haben gegen die Oligarchen? Weil es einer durchschaut hat und ein paar Menschen die Wahrheit erzählte. Diese paar Menschen hüten die Wahrheit und versuchen sie weiter zu verbreiten. Das System jagt solche Menschen erbarmungslos. Wer sein Haus auf Lügen gebaut hat, muss sich vor der Wahrheit fürchten, muss die Wahrheit bekämpfen.

Erkennen Sie die Parallelen? Der Film ist über unsere Welt. Unsere angeblich so tollen Demokratien übertreffen sich gerade darin, alle Meinungen zu unterdrücken, die dem propagierten Weltbild widersprechen. Das Lügengebilde fürchtet sich vor der Wahrheit.

Mach dich von allem frei, Neo. Angst, Zweifel, Misstrauen. Du musst deinen Geist befreien.

Die in der Matrix gefangenen Menschen sind so angepasst, dass sie das System und die Matrix verteidigen. Sie verteidigen ihr Weltbild, denn das Wechseln des Weltbildes kommt einem geistigen Tod gleich.

Wieso wollte ich Idiot nicht die blaue Kapsel?

Unwissenheit ist ein Segen.

Die Zombies haben es gemütlich in ihrer Scheinwelt. Süße Lüge statt schmerzhafter Wahrheit. Im Film gibt es eine Figur, die sich für die süße Lüge entscheidet. Bewusst und wissentlich. Weil die Lüge süß ist. Diese Figur ist eine Metapher für die Stimme in unserem Kopf, die uns dazu drängt, das Süße zu akzeptieren. Vorwände finden sich mehr als genug. Man hat keine Zeit, man ist unpolitisch, die Gegenseite lügt nicht weniger, eine Wahrheit gibt es doch sowieso nicht.

Haben Sie sie jemals genau betrachtet? Bestaunt, wie makellos und schön sie ist? Milliarden Menschen leben einfach vor sich hin… und haben keine Ahnung.

So beschreibt ein Agent der Matrix die Matrix.

Das System hält die Menschen für einen Virus. Die Maschinen sind die Heilung. Mittels seines Agenten sagt das System:

Ich hasse diesen Planeten.

Das ist Faschismus. Menschen werden zu Unmenschen degradiert, zu Viren. Hat die Entmenschlichung erst stattgefunden, ist jedes Mittel zur Bekämpfung der Unmenschen recht. Das passiert hier und heute, in unserer realen Welt. Das passiert, wenn das Weltbild auf Hass gebaut ist, statt auf Nächstenliebe. Hass führt nicht zu Erlösung, sondern zu Tod und Leid, immer weiter, bis man die ganze Menschheit versklavt. Selbst dann wird der Hass nicht vergehen, wird sich kein Glück einstellen. Das System hinter der Matrix hat die volle Kontrolle erlangt, aber der Hass ist geblieben, das Glück hat sich nicht eingestellt.

Jeder hat die Wahl. Blaue Pille oder rote Pille. Wer sich für die Wahrheit entscheidet, wird vom System bekämpft. Die Agenten des Systems sind übermächtig. Wer als einfacher Mensch der Matrix entkommt, kann das System doch nicht besiegen, sondern ist immer auf der Flucht vor dessen Agenten. Nur der Auserwählte hat die Kraft, dem System zu trotzen, aber er erkennt es nicht. Deshalb verliert er im Kampf gegen die Agenten. Neo stirbt.

Als das System zu gewinnen scheint, ist es die Liebe, die denjenigen, der nach Wahrheit sucht, am Leben hält. Die Liebe. Die Liebe.

Neo erlebt seine zweite Wiedergeburt. Der Zweifler stirbt, der Auserwählte ist geboren. Sein Weltbild hat sich erneut verändert. Sein Ich nimmt nach der Wiedergeburt eine neue Rolle ein. Die Welt wird aus einer feindlichen, nicht zu ändernden Realität zu einer formbaren Realität. Neo erkennt, dass er die Welt verändern kann. Entsprechende Zeichen wurden ihm mehrfach ausgesandt, aber er konnte sie nicht deuten, in seinem alten Weltbild war das nicht möglich. In seinem neuen Weltbild ist die Welt formbar, das eröffnet seinem Ich plötzlich ungeahnte Freiheiten und Möglichkeiten. Neo stürzt sich wieder in die Matrix, haut dort alles kurz und klein, kann die übermächtigen Agenten mit Leichtigkeit besiegen.

Das ist eine Metapher für jeden von uns. Wir können daraus lernen. Neo zeigt uns, dass man sich von den Zwängen im eigenen Kopf freimachen kann. Er zeigt uns, was dann alles möglich ist. Der Film zeigt uns, was dafür nötig ist: Das Schwert der Wahrheit und das lebensspendende Feuer der Liebe.

Was soll dieser Film? Steckt ein Agent der Wahrheit dahinter, der uns mit diesem Film helfen will, die Wahrheit zu erkennen? Der Film spiegelt unsere Welt mit ihren Lügengebilden sehr gut wieder. Der Film zeigt, wie man das ändert.

Oder stecken die Betreiber der Matrix selbst dahinter? Ist der Film ein besonderer sadistischer Genuss für die Eliten, die uns das Lügenweltbild einprogrammieren? Nach dem Motto: Wir zeigen den Zombies, wie sehr sie Zombies sind und sie erkennen es nicht, halten dieses Spiegelbild für Science Fiction, ergötzen sich an Spezialeffekten und Lederfetisch. Haha, was für ein Spaß!

Oder ist das unabhängige Kunst, die zufällig ins Schwarze getroffen hat?

Wie auch immer es geplant war. Die Wahrheit wird sich durchsetzen. Die Matrix wird zerstört werden. Und „Matrix“ mit all seinen treffenden Metaphern wird neben anderen Werkzeugen benutzt werden, um die Menschen aufzuwecken. Es wird viele geistige Tode geben. Es wird viele Wiedergeburten geben. Liebe und Wahrheit werden es möglich machen.

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Diesen Artikel von Einar Schlereth gebe ich gerne weiter, da er für mich das ganze Thema sehr gut zusammenfasst.

 

Pål Steigan
29. November 2016Aus dem Norwegischen: Einar Schlereth

Historische Wendepunkte sind oft schwer zu bemerken, wenn sie passieren. Am besten sieht man sie im nachhinein. Gleichwohl traue ich mir zu zu behaupten, dass 2016 das Jahr ist, in dem der Globalismus platzte. Bis jetzt haben sowohl die Anhänger als auch die Gegner das Globalismus-Projekt als etwas gesehen, das unvermeidlich seinem festgelegten Kurs folgt und jeden Widerstand beiseiteschiebt. Und so ist es ja auch gewesen. Der Globalismus ist ja nicht nur eine politische Richtung. Er ist in erster Linie der heutige Kapitalismus. Der ist global. Die multinationalen Unternehmen unterwerfen sich die Welt und zerbrechen die Nationen und Völker unter ihren gewaltigen Rädern wie unwiderstehliche Monster.

Roms Fall

Kein Spaziergang

Aber wie immer in der Vergangenheit, stellen wir fest, dass die Geschichte nicht gemütlich verläuft. Der Versuch des Kapitalismus, sich die ganze Welt zu unterwerfen, ist eine objektive Tendenz. Er folgt dem innewohnenden Drang des Kapitalismus zur ewigen Kapital-Akkumulation. Es ist, wie Karl Marx und Friedrich Engels im Kommunistischen Manifest schreiben: „Die billigen Preise sind die schwere Artillerie, die jede chinesische Mauer zum Einsturz bringen.“

So gesehen ist er unwiderstehlich. Wie Marx und Engels ebenfalls schreiben, so gleicht das Bürgertum „dem Zauberer der nicht mehr die unterirdischen Mächte bezwingen kann, die er gerufen hat. Schon seit Jahrzehnten ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte des Aufruhrs der modernen Prouktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse“.

Die Globalisierungen stoßen also auf Konflikte, die vom Kapitalismus selbst geschaffen werden, die er nicht lösen kann und die Zusammenbruch und Chaos hervorbringen. Dass Klassenunterdrückung den Klassenkampf stärkt, ist eine Wahrheit. Aber der Kapitalismus entwickelt sich nicht gleichmäßig. Die einen kapitalistischen Länder steigen auf und andere sinken nieder und die Konflikte zwischen ihnen haben schon zu zwei Weltkriegen geführt und einer Reihe von anderen Kriegen und Konflikten.

Besonders jetzt, wo der Kapitalismus in vielen der führende Länder sich in einer ständigen Rezession befindet und sogar in einer Depression, können gewaltsame Konflikte entstehen. In harten Zeiten, können selbst gute Freunde zu Feinden werden. Dann gibt es Konflikte auf Leben und Tod.

Es ist erst im Jahr 2014 gewesen, dass Barack Obama eine Rede gehalten hat, in der er über die neue Weltordnung sprach, die kommen sollte:

„Aber wenn die Leute sehen, was in der Ukraine passiert und Russlands Aggression gegen seine Nachbarn und die Art, wie es Separatisten finanziert und bewaffnet; und was in Syrien geschieht – die Verwüstung, die Assad über sein eigenes Volk gebracht hat; das Versagen in Irak der Sunni und Shia und Kurden, überein zu kommen – obwohl wir versuchen, eine Regierung aufzustellen, die wirklich funktioniert gegenüber der terroristischen Bedrohung und dem, was in Israel und Gaza passiert – so ist ein Teil der Sorgen der Völker gerade das Gefühl, dass die alte Ordnung rundum in der Welt nicht mehr funktioniert und wir noch nicht dort sind, wo wir sein müssen, um eine neue Ordnung zu schaffen, die auf anderen Prinzipien basiert, die auf einem Sinn für die gemeinsame Menschheit basiert, die auf einer Wirtschaft basiert, die für alle Völker da ist.“

Den USA ist es beinahe geglückt

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die USA die einzige Supermacht gewesen und diese Position hat sie genutzt zu versuchen, sich den Rest der Welt zu unterwerfen. Dies wurde durch ungleiche Handelsabkommen getan, die für amerikanische Kapital-Gruppen zum Vorteil waren. Und nicht zuletzt durch Kriege, Staatsstreiche, Meuchelmord, Drohungen und Bestechungen. Und sie benutzten ihren überbewerteten Dollar als Dampfhammer gegen alle andern. Die leichte Artillerie in dieser Schlacht sind die US-beherrschten Medien und deren erfolgreicher Kampf zur Kontrolle des Denkens der Menschen und der Handlungsweise der Politiker.

Die USA haben Kriege in Afghanistan, Jugoslawien, Somalia, Irak, Jemen, Libyen und Syrien geführt, haben in der Ukraine einen Staatscoup ausgelöst und für Regime-Wechsel in anderen Ländern gesorgt. In Afrika führten sie in diesem Jahr Dutzende militärische Operationen durch, um für ihre und die Kontrolle ihrer Kapitalgruppen zu sorgen. Den USA glückte es großartig, Russland unter Boris Jeltsin zu verwüsten und zu plündern. Und die USA haben Europa fast vollständig unterworfen und die alten Kolonialmächte wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien in Vasallen  verwandelt.

Aber das Projekt raste am Ende gegen die Wand.

Ohne es an die große Glocke zu hängen, hat China alle Vorteile der Globalisierung ergriffen und eine Industrie aufgebaut, die zur Fabrik der Welt wurde. Es hat außerdem systematisch die Infrastruktur, die Forschung, Wissenschaft und Hochtechnologie ausgebaut, damit das Land nicht zu einer zweitklassigen Exportnation wird. Dies geschah zum Teil durch große Investitionen von amerikanischen Unternehmen. Das ungleiche Austauschverhältnis zwischen USA und China ist entstanden auf Grund des Bedarfs des US-Kapitals an billigen Waren, was aber ein ökonomisches System schuf, das unausweichlich China auf Kosten der USA stärkte.

Die USA mussten schmerzlich erfahren, dass die globale Konkurrenz kein Spiel ist, das man alleine spielt. Donald Trumps „Ich mache Amerika wieder groß“ ist ein desparates Eingeständnis, dass die USA ihr eigenes Spiel verloren hat.

Und den USA sind außerdem alle ihre Kriege missglückt. Der Afghanistan-Krieg, in dem wir immer noch kein Ende sehen, ist der längste Krieg in der Geschichte der USA. Und der Preis ist enorm. Linda Bilmes, die früher einen hohen Posten im US-Handelsministerium innehatte, hat die direkten und indirekten Kosten der Kriege im Irak und Afghanistan berechnet und kam auf 4000 bis 6000 Mrd. $. Die Berechnungen wurden von der Harvard-Uni veröffentlicht. (Hier ist die Rede von vier oder fünf norwegischen Öl-Fonds.)

Zugegebenermaßen hat die USA ihre gewaltige Kriegsmaschine durch den Verkauf an Staatsobligationen an China bezahlt. Aber diese Quelle trocknet jetzt schnell aus, da China sich jetzt als stark genug ansieht, die Ent-Dollarisierung der Weltökonomie zu schaffen.

Der Irak-Krieg wurde eine Katastrophe, die immer noch Elend produziert. Mit Norwegen an der Spitze hat die USA Libyen verwüstet, aber die dortige Katastrophe wird zumindest weiterhin Europa beeinträchtigen. Im Spätsommer sah es so aus, als würden die US-Terroristen-Heere den Krieg in Syrien gewinnen, aber da schritt Russlan ein und jetzt sehen die smartesten US-Strategen ein, dass der Krieg verloren ist.

Der Sturm auf die Bastille 1789. Die europäische Elite träumt sich in die Zeit davor zurück.

Annus horribilis

2015 legten die fünf EU-Präsidenten einen Plan vor, der die nationalen Demokratien in den EU-Ländern bis 2015 abschaffen sollte. Wenn es liefe, wie sie wollten, würden die nationalen Parlamente in der EU ab 2025 nicht mehr über die Budgets ihrer Länder bestimmen können. Die fünf Präsidenten sind Jean-Claude Juncker, Chef der EU-Kommission, Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, Jeroen Dijsselbloem, Präsident der Euro-Gruppe, Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank und Martin Schulz, Präsident des EU-Parlamentes. Keiner dieser Herren hat ein demokratisches Mandat hinter sich, aber sie sind gewohnt, Direktiven und Verordnungen zu erlassen, nach denen sich die 500 Millionen Menschen in der EU richten.

Ein halbes Jahr später können wir ganz unpolemisch festhalten, dass es so nicht mehr läuft. Die EU, die wir kennen, gibt es nicht mehr. Die EU ist nicht mehr eine „ever closer union“, wie es so optimistisch in den Traktaten hieß. Sie ist eher so etwas, wie The Economist säuerlich bemerkte eine „ever farther union“.

Und so kommt ein Ereignis nach dem anderen. Einge Länder widersetzten sich der EU-Migrationspolitik. Das ist eine Politik, die keine Unterstützung einer Mehrheit in irgendeinem Land findet, weshalb sie früher oder später platzen wird.

Der entscheidende Wechsel kam mit dem Brexit, der britische Entschluss, sich aus der EU abzumelden. Dazu kommt die Niederlage für TPP und TTIP und dann sieht man das Ausmaß der Probleme der Globalisten.

Weitere Belastungen des Unions-Zusammenhalts sind die Kriegspolitik und die Sanktionen gegen Russland. Das ist eine Politik, die in hohem Grad gegen die objektiven Interessen der europäischen Staaten gerichtet ist, die aber durchgeführt wird gegen starken inneren Widerstand auf Grund des US-Diktats.

Italiens Staatsminister Matteo Renzi ist von niemandem gewählt worden. Er hat sich in den Führungsjob seiner eigenen Partei geputscht und sitzt da als Staatsminister, weil er ein Abkommen mit Berlusconi hat, dass ‘ich deinen Rücken kratze, wenn du meinen kratzt’. Er beschloss, es à la Cameron zu versuchen: ein Vertrauensvotum von seinem Volk zu verlangen, um eine Mehrheit für Grundgesetz-Änderungen. Aber er riskiert, Cameron mehr zu gleichen, als er sich wünscht. Das Volk Italiens will nicht dieser Veränderungen und Renzi riskiert, einen Reinfall erster Ordnung zu erleben – da Beppe Grillo und seine Fünfsterne-Bewegung in den Kulissen bereit steht.

Und dann sieht es so aus, dass die französische Präsidenten-Wahl zwischen zwei Kandidaten entschieden wird, die beide Anhänger einer Detente mit Russland sind und für Zusammenarbeit. Diametral entgegen der NATO-Doktrin.

Azow-Brigaden in der Ukraine unter der SS Rune Wolfsangel


Niederlage im Krieg in Syrien – und der Ukraine

Die USA, der Westen, die Türkei und die Öl-Diktaturen haben einen Krieg mit Dschihadisten-Söldnern geführt, um Syrien zu vernichten. (Norwegens Rolle ist es gewesen, mehr oder weniger den zivilen Teil des Krieges zu finanzieren und eine ökonomische Kriegführung gegen Syrien zu führen.) 2015 schien der Krieg zu glücken, aber jetzt sieht es so aus, als ob die Dschihadisten und der Westen verlieren werden. Das ist ein sehr harter Rückschlag für die neocon-Imperialisten und markiert einen dramatischen Kreuzweg in der internationalen Politik.

Es ist noch nicht so lange her seit dem Sommer 2014, als die neocons in den USA versuchten, Russland zu einem Krieg in der Ukraine zu provozieren. Im Februar 2014 standen sie hinter dem Maidan-Coup in Kiew und versprachen dem Volk das Blaue vom Himmel. Es bekam Krieg, Armut, Faschismus und Staatskonkurs. Selbst wenn es noch keiner von NATOs Größen sagen will, so wissen sie, dass der Krieg auch verloren ist. Die Konkursmasse bekommen die Steuerbezahler der EU (und Norwegens).

Die Niederlage der Clintons und der Kriegspartei

Donald Trump war der Gegenkandidat, den die Clinton-Kampagne sich wünschte, um einigermaßen sicher zu gehen, ihren unpopulären Kandidaten gewählt zu bekommen. Alle Banken waren dabei, Wall Street, die Waffenindustrie, alle wichtigen Medien. Und allen war klar, dass Hillary den Krieg in Syrien verstärken würde und vielleicht auch russische Streitkräfte angreifen würde. Und dann verloren sie. Donald Trump ist ein Reaktionär, kapitalistischer Demagoge, aber er hat offensichtlich eingesehen, dass die Zeiten der USA als „unverzichtbare Nation“ vorbei sind.

Das zerrt auch an der Loyalität in der NATO. Die europäischen NATO-Führer fürchten, was passieren wird, wenn sie den Schutz der USA verlieren. Sie waren persönlich beteiligt an den Kriegsvorbereitungen, in der sicheren Erwartung, dass die USA ihnen immer Rückendeckung geben wird und sie von den internationalen Gerichten fernhalten wird. Nun können sie nicht mehr so sicher sein. Falls nicht mehr aus der Wahl in den USA herausspringt, so haben wir jedenfalls gesehen, was für pathetische Vasallen die europäischen Führer sind.

Und die Türkei, die das zweitgrößte Heer der NATO an ihrer verwundbaren Südflanke hat, flirtet mit der Idee, sich der euroasischen Allianz in der Shanghai Cooperation Organisation in enger Anknüpfung an China und Russland anzuschließen.

USAs Defizit in der Handelsbilanz mit China wächst und wächst.

Und die chinesische Maschine mahlt unermüdlich weiter.

Deng Xiaping riet den Führern seines Landes, in der internationalen Politik nicht sichtbar zu sein, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Diesen Rat haben sie auch befolgt. Aber Chinas Ökonomie ist jetzt die wichtigste Quelle des Wachstums in der Welt und das Land hat eine Entwicklungsbank eingerichtet, setzt auf den Bau der neuen Seidenstraße – ein Weg, ein Gürtel – und investiert hunderte Milliarden Dollar in das Projekt. Wenn es keinen großen Krieg gibt, wird Chinas Industrie in absoluten Zahlen um 2020 größer als die der USA sein. Da wird China auch schon lange die USA als Forschungs- und Entwicklungsland überholt haben. Und China ist der größte Handelspartner und größte Investor in einer Reihe von Ländern, die traditionell die engsten Alliierten der USA waren.

Noch vor den abschließenden Glanzlichtern des Jahres können wir sagen, dass 2016 ein folgenscheres Jahr war. Für die Globalisten ist es bereits ein annus horribilis (schreckliches Jahr). Wir wissen jetzt schon, dass es von welthistorsicher Bedeutung sein wird. Aber in welchem Maß, ist unmöglich zu sagen. Die USA hat lange einen indirekten Krieg gegen seine „Alliierten“ geführt und jetzt kann dieser Konflikt offener zu Tage treten. Es kann eine Situation von „allen gegen alle“ werden. Alte Allianzen werden sich auflösen, neue werden entstehen. So etwas passiert selten friedlich. Aber Perioden von Chaos sind auch Perioden der Möglichkeiten. Es ist leichter für unterdrückte Völker, Feinde zu bekämpfen, die gespalten sind, als Feinde, die zusammenstehen.